Blick-Spaziergänge durch rätselvolle Bilderwelten

KIRCHHEIMBOLANDEN: Im Café Enkler sind zur Zeit Acryl-Gemälde des Marienthalers Erich Rheinheimer zu sehen

Ein alter Baum in einer Strandlandschaft, der sich wie ein gebeugter Greis zu Boden neigt, in seinem Geäst Augen oder tentakel-artige Strukturen sehen lässt, Gesichter, die sich aus verschränkten Flächen schälen: Wer zur Zeit im Café Enkler einkehrt, kann auch mit künstlerischem Augenschmaus rechnen,
den ihm die Bilder des Marienthalers Erich Rheinheimer servieren.

Es ist eine farbige Bilderwelt, fantasievoll und vor allem mit großem handwerklichen Feinsinn ausgestaltet, die da den Blick zu Spaziergängen einlädt. Auffällig die Meisterschaft, mit der die Gesichter gestaltet sind, mal ein Frauenkopf aus einem Kreuzigungsbild Salvador Dalis, mal Motive aus der Werbung, mal ein wie perforiert anmutendes Gesicht eines schreienden Kindes – vielleicht ist es dasselbe, das auch auf der anderen Bildhälfte auf einem beängstigend hoch aufragenden Sprungturm steht. Die Bilder verstrahlen eine rätselvolle Stimmung, fesseln den Blick auch durch ihre kräftige, effektvoll abgestimmte Farbigkeit.

Auf seinen Stil angesprochen, fällt Rheinheimer der Ausdruck „Symbo-Realismus? ein, weil sich auf seinen Bildern realistisch Gestaltetes mit symbolhaften Bezügen mischt, Flächen mit angedeutetem Geschehen, mit eigenwilligen Texturen. Rheinheimer will sich aber nicht als malender Philosoph missverstanden wissen, es gehe ihm nicht um tiefgründige Botschaften. „Ich male, weil es mir Spaß macht?, sagt er im Gespräch. Seinen Bildern “ überwiegend arbeite er mit Acryl “ liege auch kein Entwurf zugrunde, er fange einfach an und lasse das Bild dann aus dem Prozess des Malens sich ergeben. Wichtig ist ihm dabei die handwerkliche Substanz, das Malerische “ das Ungegenständliche, das oft kaum noch ein handwerkliches Können sichtbar werden lässt, liege ihm dagegen fern. Das Handwerkliche schließt bei Rheinheimers Bildern im übrigen die Rahmen mit ein, die er selbst gestaltet.

Er male, seit er 20 ist, erzählt der heute 65-Jährige. Auch sein Vater habe Porträts gemalt und als Restaurator gearbeitet, mit Farbe hatte er auch im Hauptberuf zu tun, da war er im Malerhandwerk tätig. Diesen Beruf hat auch Erich Rheinheimer, der ursprünglich aus Kaiserslautern stammt, zunächst erlernt, bevor er in die Krankenpflege wechselte und in den Donnersberger Krankenhäusern als leitender OP-Pfleger und zuletzt als Hygienefachkraft tätig war. Das Malen ist ihm Passion, doch er macht auch Musik und schreibt, wie er erzählt.

Die Rheinpfalz (22.04.2013), Text von Thomas Behnke/ Foto Stephan Kirchheimbolanden